Der 13. Oktober 2026 stand lange als harter Stichtag im Kalender. Bis dahin sollte das kostenlose ESU-Programm laufen, danach wäre für Millionen PCs Schluss mit Sicherheitsupdates gewesen. Im Juni 2026 hat Microsoft die Frist dann fast beiläufig verschoben, auf den 12. Oktober 2027.
Erledigt ist die Sache damit nicht. Den kostenlosen Support für Windows 10 hat Microsoft schon am 14. Oktober 2025 eingestellt, und im Mai 2026 lief immer noch rund ein Viertel aller Windows-Installationen unter Version 10. Für viele dieser Computer ändert das zusätzliche Jahr wenig, weil ihre Hardware die Anforderungen von Windows 11 weiterhin nicht erfüllt. Vier Wege stehen offen, und am Ende steht die Empfehlung je Nutzertyp.
Zuerst prüfen: Was steckt in Ihrem PC?
Ohne diesen Schritt ist jede Entscheidung geraten. Drei Angaben genügen:
- UEFI und Secure Boot: Windows-Taste plus R, dann `msinfo32` eingeben. Interessant sind die Zeilen „BIOS-Modus“ (soll UEFI zeigen) und „Sicherer Startzustand“.
- TPM-Version: Ebenfalls über Windows-Taste plus R, diesmal `tpm.msc`. Unter „Spezifikationsversion“ muss 2.0 stehen.
- Arbeitsspeicher und Massenspeicher: 4 GB RAM und 64 GB frei sind das Minimum für Windows 11, 8 GB und eine SSD machen den Unterschied im Alltag.
Ein häufiger Irrtum: Viele Mainboards ab Baujahr 2016 haben ein TPM 2.0 als Firmware-Funktion an Bord, im BIOS ist sie nur abgeschaltet. Je nach Hersteller heißt sie fTPM (AMD) oder PTT (Intel). Ein Häkchen im UEFI-Menü macht aus einem angeblich untauglichen PC in vielen Fällen einen Windows-11-Kandidaten.
Weg A: Das Upgrade auf Windows 11
Für Geräte, die diese Hürden nehmen, ist das der bequemste Weg. Mit gültiger Windows-10-Lizenz kostet das Upgrade nichts, Programme und Dateien bleiben erhalten, und die Umgewöhnung beschränkt sich auf eine neue Taskleiste und ein verschobenes Startmenü.
Microsoft verlangt offiziell einen 64-Bit-Prozessor mit mindestens zwei Kernen ab 1 GHz, 4 GB RAM, 64 GB Speicher, UEFI mit aktiviertem sicheren Start, TPM 2.0 sowie eine DirectX-12-fähige Grafik. Unterstützt werden allerdings nur Prozessoren von einer Freigabeliste, und das ist die härteste Hürde: Anders als ein fehlender Riegel Arbeitsspeicher lässt sich die CPU auf alter Hardware praktisch nie nachrüsten.
> Vor dem Upgrade klären, welche Edition es sein soll. Home genügt für Surfen, Office und Streaming. Wer dagegen BitLocker zur Laufwerksverschlüsselung, Hyper-V, den Remote-Desktop-Host oder den Beitritt zu einer Windows-Domäne braucht, stößt schnell an Grenzen. Die Gegenüberstellung Windows Versionen im Vergleich zeigt Zeile für Zeile, wo Home aufhört und Pro anfängt.
Ein Sonderfall sind aufgerüstete PCs: Nach einem Mainboard-Tausch hängt die digitale Lizenz plötzlich in der Luft. Wie sich die Aktivierung dann geradebiegen lässt, zeigt unser Erfahrungsbericht zum Mainboard-Tausch.
Weg B: Mit ESU auf Windows 10 bleiben
Das Programm für Extended Security Updates verschafft Zeit. Mehr leistet es nicht. Privatanwender im Europäischen Wirtschaftsraum nutzen es kostenlos, sofern sie sich mit einem Microsoft-Konto anmelden; wer lieber ein lokales Konto behält, zahlt einmalig rund 30 US-Dollar. Eine Lizenz deckt bis zu zehn Geräte ab. Für Unternehmen bleibt der Weg kostenpflichtig und wird jährlich teurer: 61 US-Dollar im ersten Jahr, 122 im zweiten, 244 im dritten. Die Bedingungen stehen auf der Microsoft-Seite zum ESU-Programm.
Was Sie dafür bekommen, ist eng begrenzt. Es fließen ausschließlich als kritisch oder wichtig eingestufte Sicherheitsupdates. Keine Fehlerbehebungen, keine neuen Funktionen, kein technischer Support. Das Betriebssystem selbst läuft weiter, aber die Programme darum herum verlieren nach und nach ihre Windows-10-Pflege, sodass mit der Zeit auch alte Software zum Problem wird.
Am 12. Oktober 2027 ist auch dieser Puffer aufgebraucht. Wer ESU nutzt, sollte die Zeit als Umzugsfrist begreifen, nicht als Verlängerung des Status quo.

Weg C: Linux Mint als vollwertiger Ersatz
Ein alternatives Betriebssystem klingt nach großem Umbau, ist es aber nicht mehr. Linux Mint 22.3 („Zena“) basiert auf Ubuntu 24.04 LTS und erhält bis 2029 Updates. Der Cinnamon-Desktop bringt Startmenü, Taskleiste und Dateimanager an den gewohnten Stellen mit. Das Projekt nennt 2 GB RAM als Minimum, komfortabel wird es ab 4 GB, dazu 20 GB auf der Platte.
Der Umstieg lässt sich vorher risikofrei proben. Sie schreiben das ISO-Abbild auf einen bootfähigen USB-Stick, starten den PC davon und arbeiten im Live-Modus mit dem kompletten System, ohne die Windows-Installation anzutasten. Erst wenn WLAN, Drucker und Grafik sauber mitspielen, installieren Sie das neue System dauerhaft. Wer die Oberfläche danach anpassen will, findet in unseren Tipps zu den populärsten Linux-Oberflächen den Einstieg.

Ehrlich bleiben muss man bei der Software. Was unter Linux klappt und was nicht:
| Was gut ersetzbar ist | Was Probleme macht |
|---|---|
| Office durch LibreOffice oder Microsoft 365 im Browser | Adobe Creative Cloud (Photoshop, InDesign) |
| Browser, Mail, Cloud-Speicher: identisch nutzbar | Spiele mit Kernel-Anti-Cheat |
| Bildbearbeitung durch GIMP oder Krita | Steuer- und Branchensoftware für Windows |
Für die meisten Privathaushalte ist die linke Spalte der Alltag. Wer die rechte beruflich braucht, fährt mit Option A oder B besser.
Weg D: ChromeOS Flex für sehr alte Geräte
Google hat ChromeOS Flex, oft auch Chrome OS Flex geschrieben, genau für die Geräte gebaut, die überall sonst durchfallen. Das System verlangt einen x86-64-Prozessor von Intel oder AMD, 4 GB Arbeitsspeicher, 16 GB Speicherplatz und vollen Zugriff auf das BIOS. Installieren lässt es sich in wenigen Minuten. Für hunderte ältere Rechner führt Google eine Liste zertifizierter Modelle samt Datum des Zertifizierungsendes.
Dafür gelten klare Grenzen:
- Android-Apps laufen auf Flex nicht, abgesehen von einigen VPN-Anwendungen. Einen Play Store gibt es nur auf echten Chromebooks mit ChromeOS.
- Der Google-Sicherheitschip fehlt, deshalb entfällt Verified Boot. Firmware-Updates liefert der Gerätehersteller.
- Alles läuft im Chrome-Browser: Office, Mail und Bildbearbeitung als Web-Anwendungen, dazu Erweiterungen aus dem Chrome Web Store. Wer Google Chrome unter Windows nutzt, findet Lesezeichen und Passwörter nach der Anmeldung wieder. Ohne Google-Konto bleibt nur ein eingeschränkter Gastmodus.
- Fingerabdrucksensoren, optische Laufwerke und Thunderbolt bleiben oft ungenutzt.
Für einen zehn Jahre alten Laptop, der als Zweitgerät für Mail und Videocalls dient, ist ChromeOS trotzdem der schnellste Weg zurück in einen gepflegten Zustand.
Die vier Windows 10 Alternativen im direkten Vergleich
| Kriterium | A: Windows 11 | B: Windows 10 mit ESU | C: Linux Mint | D: ChromeOS Flex |
|---|---|---|---|---|
| Updates bis | offen (laufender Support) | 12.10.2027 | 2029 (Version 22.3) | laufend, je Modell begrenzt |
| Kosten privat | 0 Euro mit Lizenz | 0 Euro mit Microsoft-Konto | 0 Euro | 0 Euro |
| Hardware-Hürde | hoch (TPM 2.0, CPU-Liste) | keine | niedrig (2 GB RAM) | niedrig (4 GB RAM) |
| Software-Kompatibilität | vollständig | vollständig | eingeschränkt | nur Web-Anwendungen |
| Umgewöhnung | gering | keine | mittel | hoch |
Welche Option passt zu welchem Nutzertyp?
Die Entscheidung hängt am Gerät und an den Gewohnheiten:
- PC ab 2018, Windows-11-tauglich: Weg A. Vorher Daten sichern, dann upgraden. Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik empfiehlt genau diesen Schritt oder ersatzweise den Wechsel auf ein anderes gepflegtes Betriebssystem und rät dringend zur vorherigen Sicherung.
- Spezialsoftware im Einsatz, Prozessor nicht auf der Liste: Weg B, aber mit Enddatum im Kalender. Parallel klären, ob ein Speicher- oder SSD-Upgrade die Windows-11-Schwelle doch noch reißt; wann sich das rechnet, zeigt unser Beitrag zu Speicher-Upgrades für Business-Rechner.
- Solides Notebook von 2014 bis 2018, klassische Anwendungen: Weg C ist hier die gute Wahl. Erst per USB-Stick testen, dann übernehmen. Das spart nebenbei Emissionen, wie die Rechnung zur längeren Notebook-Nutzung zeigt.
- Sehr altes Zweitgerät, reine Browser-Nutzung: Weg D. Kurze Installation, danach ein System, das sich selbst aktuell hält.
Nichtstun steht nicht zur Wahl. Ein Computer ohne Sicherheitsupdates wird mit jedem Monat angreifbarer, und Erpressungstrojaner suchen genau solche Ziele.
Häufige Fragen
Kann ich Windows 10 nach dem Support-Ende einfach weiter nutzen?
Technisch ja, das System startet und arbeitet wie gewohnt. Ohne Sicherheitsupdates bleiben bekannt gewordene Lücken aber dauerhaft offen. Für Online-Banking und Einkäufe ist das keine tragfähige Basis.
Ist Linux Mint wirklich kostenlos?
Ja, inklusive aller Updates und der mitgelieferten Anwendungen. Es gibt keine Lizenzgebühr und kein Abo, das Projekt finanziert sich über Spenden und Sponsoren.
Was bedeutet der Unterschied zwischen Ubuntu und Mint in der Praxis?
Mint baut auf Ubuntu auf und nutzt dieselbe Softwarebasis, liefert aber eine Oberfläche mit, die Umsteigern deutlich vertrauter vorkommt.
Verliere ich beim Umstieg meine Daten?
Nur, wenn Sie es versäumen, vorher zu sichern. Kopieren Sie Dokumente, Fotos und Mail-Archive auf eine externe Festplatte, bevor ein neues Betriebssystem installiert wird.
Das Wichtigste in fünf Zeilen
- Die ESU-Frist endet am 12. Oktober 2027, nicht 2026. Der Aufschub ist eine Umzugsfrist.
- Erst prüfen (`msinfo32`, `tpm.msc`), dann entscheiden. fTPM oder PTT ist oft nur abgeschaltet.
- Windows 11 ist der bequemste Weg, scheitert aber häufig an der Prozessorliste.
- Linux ersetzt Windows im Alltag und läuft vorab gefahrlos zur Probe.
- ChromeOS Flex rettet betagte Geräte, verlangt aber den Umzug in den Browser.
*Redaktion netstore.de, Stand September 2026.*

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